Donnerstag, Oktober 25, 2007

Die männlichen Schulstars zeichneten sich durch allgemeine Coolness aus. Sie wären niemals auf die Idee gekommen, beispielsweise T-Shirts in hellblau oder mit albernen Aufdrucken oder peinliche Billigjacken zu tragen, sie wären lieber tot umgefallen, als vorbereitet zu Tests zu erscheinen, und verbrachten ihre freie Zeit keinesfalls mit Lernen oder gar – obwohl es dringend notwendig gewesen wäre – mit Nachhilfestunden. Und sie flogen in aller Regel von der Schule, bevor sie ihren Abschluss machen konnten. Was sie nicht störte und ihren Ruhm eher noch vermehrte, schließlich hatten sie mit gezieltem Rebellentum ungefähr seit der siebten Klasse auf das hingearbeitet, was zur Kaiserzeit »consilium abeundi« hieß und noch vor wenigen Jahren, als sich Jugendliche nicht übermäßige Sorgen um spätere Jobs machen mussten, eine große Schande war, aber als Statussymbol galt.

Dass die Kombination Unverschämtheit und Lernresistenz im späteren Leben eher hinderlich sein würde, ahnte man damals noch nicht.

Jahre später werden die ehemaligen coolen Jungs zwar immer noch Thema sein, zum Beispiel bei Klassentreffen, aber die Gespräche drehen sich dann beispielsweise eher um die Frage, ob sie nicht eigentlich schon wieder längst aus dem Knast sein müssten – die coolen Jungs haben einen Hang zu besonders blödsinnigen Delikten wie dem jahrelangen Fahren ohne Führerschein. Dies plus ihre ganz besondere Begabung, im falschen Moment das Falsche zu sagen, sowie ihre Neigung zu Auffälligkeit als Lebensprinzip ergibt meist zwei Jahre, selbst­verständlich ohne Bewährung.


Den gesamten Text gibts dort:
http://jungle-world.com/seiten/2007/43/10855.php

1 Comments:

Blogger c.s. said...

eine andere variante ist, dass die coolen jungs zu fetten, häßlichen und fast glatzköpfigen, unbefriedigten familienvätern geworden sind.

3:33 nachm.  

Kommentar veröffentlichen

<< Home