Freitag, August 04, 2006

Spendenaufruf


Den meisten Mitarbeitern der jüdischen Hilfsorganisationen, die derzeit Spenden für die Menschen aus Nordisrael sammeln, wird es so gehen wie Rachel Singer von Wizo Deutschland: Natürlich, sagt sie, wäre sie "jetzt am liebsten vor Ort und würde dort helfen, aber wir können ja hier eben auch eine Menge bewirken."
Was, das erlebte ihre Kollegin Esty Sharel aus Frankfurt, die während des Urlaubs in Tel Aviv vom Kriegsausbruch überrascht wurde. Diejenigen, die vor den Raketen fliehen mussten, werden in Wizo-Einrichtungen untergebracht, eine Gruppe von 40 autistischen Kindern fand so neben 500 weiteren Evakuierten beispielsweise in der Landwirtschaftsschule Hadassim Unterschlupf. Dazu kommt die individuelle Betreuung, wie Sharel beschreibt: "Bei Bedarf werden zur Vermittlung der Wohnungsuchenden Dolmetscherinnen eingeschaltet. Jeder wird nach seinen Bedürfnissen betreut, religiöse Menschen kommen zum Beispiel in religiöse Familien. Haustiere müssen mit untergebracht werden, eine blinde Frau und ihr Mann, der täglich zur Dialyse muss, brauchen einen Platz zusammen mit ihrer Betreuerin. Eine junge Frau, die gerade frisch entbunden hat und ganz allein steht, braucht Hilfe. Eine neu eingewanderte Familie aus Argentinien mit 6 Kindern, die kaum Hebräisch sprechen, sucht eine Unterkunft. Jugendliche müssen versorgt werden, die einfach per Anhalter aus dem Norden nach Tel Aviv kommen und am Strand übernachten."
Unterbringung und Versorgung der derzeit 300.000 Evakuierten kosten natürlich eine Menge Geld, "zusätzliches Geld. Die normalen Programme und damit eben auch die normalen Ausgaben laufen ja weiter."
Wie bei Keren Kayemeth LeIsrael, deren Hauptaufgabe in normalen Zeiten die Wiederaufforstung ist. Die Wälder in Nordisrael stehen nun durch die Raketen in Flammen, 700 Hektar, das sind über eine halbe Million Bäume, fielen deen Flammen bereits zum Opfer. Rund um die Uhr versuchen die Feuerwehrleute vor Ort, die Brände einzudämmen, dabei müssen sie,wie auch die Förster, unter dauerndem Katjuscha-Beschuss arbeiten. Als am 12. Juli der Angriff der Hisbollah-Milizen auf Israel begann, hielt der KKL-JNF in Jerusalem gerade seine Weltkonferenz ab. Die versammelten Vorstandsvertreter der verschiedenen Nationen beschlossen spontan, Kinder aus dem Norden Israels sowie aus Sderot und Umgebung in in die eigenen Sommercamps in den KKL-JNF-Wäldern einzuladen. "jedes, wirklich jedes Kind soll friedliche Sommerferien erleben können", sagt Tzachi Ganor von KKL Deutschland und verweist darauf, dass damit nicht nur den Kindern geholfen wird: Den Eltern, so sagt er, werde damit auch "eine Zeit mit weniger Sorgen geschenkt."
Mit der bloßen Unterbringung an sicheren Orten endet die Arbeit jedoch nicht, das umfangreiche Ferienprogramm, zu dem neben Baden, Lagerfeuerabende und Spielen auch Ausflüge in die Höhle Av Shalom oder zum Beth Govrin Park gehören, soll die Kinder vom Erlebten ablenken und helfen, die Angst zu vergessen.
Aber es sind nicht nur die Kinder, die dringend betreut werden müssen. "Wir wissen doch, wie Menschen unter den Anspannungen von verbalen, geschweige physischen Bedrohungen reagieren, deren seelisches Empfinden vom Schicksal in der Zeit des Nationalsozialismus geprägt ist", sagt Dr. Peter Fischer, Vorsitzender von Amcha Deutschland. Oft alleinstehend, krank und einsam brauchen sie in der derzeitigen Situation ganz besonders Menschen, die ihnen zuhören, damit sie das Erlebte besser verarbeiten können.
Die meisten der älteren oder hochbetagten Menschen wollen ihre Wohnungen trotz der ständigen Angriffe nicht verlassen, andererseits haben viele Schwierigkeiten, sich allein zu versorgen. Mitarbeiter der Amcha-Zweigstelle Haifa, die für die aus Sicherheitsgründen geschlossene Niederlassung in Kiriat Motzkin den Norden mitbetreuen, bringen ihnen dann zum Beispiel Lebensmittelpakete und dringend benötigte Medikamente - während die Hotline weiterlaufen muss.
Die Telefon-Holine der Amcha zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Man wartet nicht, bis die Klienten von selber anrufen, wie Dr. Fischer erklärt, "sondern erkundigt sich von selbst regelmäßig danach, wie es ihnen geht. Denn nicht jeder sucht von selber Hilfe, wenn sich alte Menschen qualvollen Erinnerungen nicht entziehen können, verfallen sie oft in Schweigen."
Jeder soll daher mindestens einmal zu Hause besucht werden, damit das Fachpersonal sich vor Ort davon überzeugen kann, dass entweder wirklich alles in Ordnung ist oder eben gegebenfalls praktische Hilfe nötig ist.
"Die Telefone und Handys sind völlig überlastet", schilderte Nathan Kellermann von Amcha Israel vor einigen Tagen die aktuelle Situation, das Kommunikationssystem müsse entsprechend dringend überholt und vor allem ausgebaut werden. "Diese Rettungsleine darf unter keinen Umständen gekappt werden."
Hilfe brauchen auch diejenigen, die eigentlich vorrangig damit beschäftigt sein sollten, sich in ihrer neuen Heimat Israel einzugewöhnen und die Minister Ministerpräsident Ehud Olmert jünst als "die grundlegende Waffe, die wir haben" und Zeev Bielski, Vorsitzender der Jewish Agency, als "jüdische Antwort auf die Hisbollah und die Hamas" bezeichnete. Für die Neueinwanderer sei die derzeitige Situation doppelt schwierig, erklärt Nathan Gelbart, Vorsitzender von Keren Hayesod Deutschland. "Sie müssen nicht nur den Zivilisationswechsel verarbeiten, sondern auch mit den Raketeneinschlägen fertig werden. Das Cana'an Eingliederungszentrum in Tzfat, wo 3000 Immigranten aus Äthiopien leben, ist bereits von einer Katjusha getroffen worden. " Entsprechend benötigten sie besonders viel Unterstützung, die Sicherheitsmaßnahmen und Verhaltenregeln müssen ihnen zum Beispiel erklärt werden, beim Umzug ins sichere Landesinnere wird logistische Hilfe benötigt. Für die Kinder aus Nordisrael wurden von der KH Not-Sommercamps darüber hinaus eingerichtet, wie alle Hilfsorganisationen handelte auch Keren Hayesod schnell.
"Natürlich hat die Intensität der Angriffe durch die Hisbollah zunächst überrascht, aber man hat ja sehr schnell die Richtung gesehen, die die Geschehnisse nehmen würden, der Raketenbeschuss nahm zu und es war schnell klar, dass etwas getan werden musste", sagt Nathan Gelbart. In Zusammenarbeit mit den Jugendämtern vor Ort stellten die Mitarbeiter von KH fest, welche Kinder Hilfe benötigten, nun sollen sie in sicherer Umgebung das Erlebte vergessen.
Dass es dazu auch Kleinigkeiten sind, die das alltägliche Leben mit der Bedrohung erleichtern, weiß man bei Keren Hayesod ganz genau: So rüstete man gerade 500 Schutzräume mit Klimaanlagen und Notbeleuchtungen aus. Außerdem wurden Fernsehgeräte und Kabelanschlüsse installiert, damit die Schutzsuchenden jederzeit die aktuellen Entwicklungen verfolgen können.
Ein Punkt ist Nathan Gelbart darüber hinaus noch sehr wichtig "weil er hierzulande in der Berichterstattung kaum vorkommt: Es handelt sich bei dem, was im Moment geschieht, um einen Angriff auf Israel, von dem alle Israelis betroffen sind, egal, ob Juden, Moslems oder Christen, die Raketen der Hisbollah machen da keinen Unterschied." Allen Hilfsorganisationen sei daher Eines gemein: " Unsere Angebote richten sich daher an alle Israelis, die Hilfe brauchen und entsprechend werden sie nach ihren religiösen, ethischen und sprachlichen Bedürfnissen betreut."

2 Comments:

Blogger Liza said...

Hey Elke,

willkommen in der Welt der Blogger/innen. Sehr erfreulich, dass man deine Texte nun auch hier lesen kann. Freue mich schon auf mehr!

Herzliche Grüße
Liza

2:44 vorm.  
Blogger Ivo Bozic said...

ebenfalls: herzlich willkommen!

let's go!

liebe grüße, ivo

1:06 nachm.  

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